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Newsletter August 2006

Berichte und Fotos vom Schüleralltag in Neuseeland Seite 1

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Kiwi Natur Pur: Farmstays und Bergwanderungen
Bericht von Martin Lehmann, Nelson College for Boys, Januar - Juli
2006


"Neuseeland? Klar, das ist doch irgendwo da bei Australien und bekannt für die Kiwis und die vielen Schafe."

Ich denke das ist was die meisten auf Anhieb zu Neuseeland sagen können. Nun, da ich schon mal hier bin habe ich mir gedacht, dass ich dann wenigstens auch alles mal gesehen haben muss, bevor ich wieder zurück nach Deutschland gehe. Nachdem ich die Kiwis (Frucht, Mensch, Vogel) nun schon kennen gelernt habe, fehlte nur noch ein richtiges “Schafserlebnis”. Und wie kann man das besser haben als auf einer typisch neuseeländischen Farm?

Ich bin also zu Jude Rainey, Koordiantorin für internationale Schüler am Nelson College for Boys, gegangen, und nur zwei Wochen später sass ich schon zusammen mit meinem besten Kumpel hier (Taiki – Japaner) 1½ Stunden in einem Bus Richtung Blenheim nach Pine Valley um dort in den nächsten drei Tagen möglichst viele neue Erfahrungen zu sammeln.

Dort angekommen wurden wir sofort von vier aufgeregten Schäferhunden begrüsst und nach nur einer Minute mussten wir uns keine Gedanken mehr machen wie wir die Klamotten sauber behalten könnten… Auch wenn es draussen vielleicht etwas unordentlich und dreckig aussah, war es im Haus dafür um so schöner mit all den selbstgemachten Holzschnitzereien. Tagsüber waren wir eigentlich die meiste Zeit damit beschäftigt die ca. 2000 Schafe hin und her zu scheuchen und Heu für die Kühe und Rehe zu verteilen, wobei das Schaftreiben mit den Hunden besonders interessant war und man schon bald völlig verschiedene Charaktere feststellen konnte.

Besonders genossen haben wir auch die kleinen Pausen in denen wir immer ein warmes Getränk mit frisch gebackenem Kuchen bekamen und zur Abwechslung mal kein Tier um einen herum gesprungen ist. Abends haben wir die Tage mit super und ausreichendem Essen vor dem Fernseher ausklingen lassen.

Weil die Farm schon seit Wochen von Wildschweinen verwüstet wurde und Lloyd, der Farmer, uns auch etwas “Action” bieten wollte, hatte er die Idee mit Taiki und mir “Spotlighting” zu gehen (jagen im Dunkeln mit Scheinwerfer).

Um es kurz zu machen: Wir haben zwar Schweine gesehen, aber zu weit weg, zu klein und getroffen hat er auch nicht. Um uns zu beweisen, dass er es auch besser kann sind wir dann mit dem Auto auf Hasenjagd gegangen. Taiki und ich standen mit einem mit Autobatterie betriebenen Scheinwerfer auf der Ladefläche seines kleinen Jeeps und per Klopfzeichen von uns wurde er auf die Hasen aufmerksam gemacht. Das war für uns beide eine total neue Erfahrung und hat super viel Spass bereitet, auch wenn sich das vielleicht etwas grausam anhört.

Nach all den tollen Erlebnissen ist es uns Sonntag abend sehr schwer gefallen Abschied zu nehmen, aber das war auch der Zeitpunkt wo wir auf den Gedanken gekommen sind einfach über die Berge zur Farm zu wandern.


Nach Wochenlanger Planerei (wobei Study Nelson auch eine grosse Hilfe war – besonders Julia) und einigen Hindernissen die es zu bewältigen galt war es in der zweiten Ferienwoche endlich so weit, dass Taiki, Sam (mein Gastvater) und ich uns vom Maitai Damm aus auf den Weg in die Berge gemacht haben.

Inzwischen hatten wir aber schon ein anderes Ziel, weil Sam nur drei Tage von seiner Arbeit frei bekommen hat und er von der Pine Valley Farm aus nicht rechtzeitig zurück nach Nelson gekommen wäre. Den ersten Tag haben wir eher ruhig mit ca. 5 Stunden tramping bei perfektem Wetter über Dun Mountain zu Middy Hut angehen lassen, wobei sich die Vegetation von der einen Seite auf die andere plötzlich völlig gewandelt hat, und das auf dem selben Berg. Die 6-Mann Hütte an dem Fluss “Pelorus” hatten wir für uns alleine und somit genügend Ruhe und Platz um unser Abendessen zu geniessen und eine frühe Nacht zum Erholen zu haben.

Am nächsten Tag mussten wir feststellen, dass unser Ziel Mt. Richmond, den höchsten Berg in der Region, zu erreichen doch etwas hoch gegriffen war und wir nicht einmal Mt. Fell (noch vor Mt. Richmond) erreichen konnten. Dennoch war es ein sehr schöner und anstrengender Trip über 7 Stunden und etlichen Höhenmetern. Nach der letzten halben Stunde im Dunkeln waren wir froh unsere Hütte doch wieder gefunden zu haben und völlig erschöpft in die Schlafsäcke zu kriechen.



Der dritte Tag war zwar hauptsächlich relativ eben, dem Fluss folgend, dafür aber wunderschön mit vielen guten Fotogelegenheiten. Bevor es dunkel wurde hat uns meine Gastmutter glücklicherweise mit dem Auto gefunden und nach einer Stunde Fahrt in Nelson wieder ausgeladen.

Insgesamt kann ich diesen Tramp wirklich nur empfehlen und ich würde es jederzeit wieder machen, auch wenn es im Sommer wegen längerem Tageslicht und einigen total klaren Schwimmlöchern sicher sogar noch schöner sein muss.

Weil Taiki und ich aber immer noch unbedingt ein zweites mal zu der Farm wollten, sind wir nach drei Ruhetagen eben wieder mit dem Bus nach Pine Valley gefahren um dort unsere letzten vier Ferientage zu geniessen. Lloyd hatte uns am Telefon schon vorgewarnt, dass er uns auf Berge rauf scheuchen will und wir vorsichtshalber unser Trampingzeug mitbringen sollen.

Donnerstag wurde auf der Farm eher ruhig mit der üblichen Schafsarbeit angegangen, wobei uns farbige Marken auf jedem einzelnen Schaf angezeigt haben wie viele Lämmer Anfang September geboren werden. Am zweiten Tag sind Taiki und ich mit Lloyd und dessen Kumpel einen ganz schmalen, langen und zum Teil vereisten Geröllweg vorbei an Lake Chalice (entstand durch ein schweres Erdbeben) fast bis auf den Gipfel eines unbewaldeten Berges gefahren, wo wir uns nach der schweisstreibenden Fahrt erst mal Tee und Kuchen genehmigt haben.



Den Tag haben wir also mehr zum Einlaufen genutzt weil wir Samstag auf Mt. Fishtail (neben Mt. Richmond und Mt. Fell) steigen wollten und Sonntag wieder herunter. Samstag Mittag nach dem Ausfüttern haben wir uns bei bewölktem Himmel aber guter Temperatur auf den Weg zur Mt. Fishtail Hütte gemacht.

Nach nur drei Stunden, 1150 Höhenmetern und einigen Schneefeldern sind Lloyd, Taiki und ich eine Stunde unterhalb des Gipfels in der winzigen vier-Mann Hütte angekommen. Überraschenderweise war die Hütte schon voll besetzt, aber wir wurden trotzdem freundlich mit warmen Tee hereingebeten und irgendwie hat jedem nur 50cm Breite zum schlafen ausgereicht.

Der nächste Tag hat im Nebel begonnen aber schon bald sind wir durch die Wolkendecke gestossen und hatten eine herrliche Sicht in alle Richtungen. Leider mussten wir dort auch wieder herunter, damit Lloyd noch einige Schafe verkaufen kann, und dabei hätte wir fast seinen eigenen Rekord mit nur zwei Stunden geschlagen. Stolz über unsere Leistung, aber völlig geschafft und verblüfft, dass ein 59-jähriger Mann zwei Jugendliche fast hinter sich gelassen hätte (!!!!), mussten wir nach einem stärkenden Abendessen schweren Herzens wieder in den vergleichsweise langweiligen Schulalltag zurück kehren, aber nicht ohne ein neues Vorhaben – Schule ‘sausen lassen’ und in ein paar Tagen beim Schafe scheren eine tatkräftige Hand geben .

Mit diesem Bericht wollte ich nur einige meiner super Erlebnisse hier in dem Land der “langen weissen Wolke” zum Ausdruck bringen, um somit jedem den es interessiert meine Begeisterung für diesen einzigartigen Erdteil zu zeigen und vielleicht bei dem ein oder anderen auch etwas Abenteuerlust zu wecken. Ich kann nur sagen: ES LOHNT SICH!!!!

 

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